Mobbing am Arbeitsplatz – Muster und Vorgehen

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Da uns am 12.04.2014 (siehe hier) eine anfrage gegen Mobbing erreicht hat mit dem Wunsch eine Vorlage dafür zu erstellen, werden wir diesem Wunsch gerecht und haben diese Seite Online gestellt. Mit einer Vorlage für eine Beschwerde und weiteren Tipps zu dem Thema. Die Vorlage kann an die Personalabteilung, einen Betriebsrat, den eigenen Chef oder den Vorgesetzten des eigenen Chefs gerichtet sein. Darüber hinaus haben wir auch beschrieben, wie sie die Inhalte für die Vorlage erstellen. Vorgehen, wie sie sich in der Situation Verhalten können und welche Seiten dafür interessant wären. Bitte beachten sie auch den Hinweis unten im Text mit der Nr. (1).

(beim Download poppt eine Werbung auf, dann erfolgt der Download – also kurz warten ;) – unbedingt beim Pup Up Blocker das neue FAPPIT Fenster mit dem Download zulassen. Sonst geht es nicht!):

A) Hier können Sie die Vorlagen für das Mobbing downloaden(1):

  • Word Datei: 
  • PDF Datei: 

B) Verfassen der Beschwerde:

1. Zusammenfassung der Vorfälle (Wie ist Äußert sich das Mobbing?)

In der Beschwerde sollten Sie das Mobbing in wenigen Sätzen zusammenfassen. Damit Sie das können, sollten sie auf einem separaten Blatt Papier erst mal alle Vorfälle zusammenfassen.

Auf dem Blatt sollte zu jedem Vorfall folgendes stehen: das Datum, was passiert ist, wie Sie damit beeinträchtigt wurden, ob es gesundheitliche Folgen gab, ob es Zeugen gab, ob sie Mails oder Aufnahmen haben. GGf. führen Sie bereits ein Mobbing-Tagebuch aus dem Sie all diese Informationen ziehen können.

Fassen Sie das dann kurz Zusammen (wer Sie mobbt, wie lange das geht, was grob die Erscheinungen des Mobbings sind, weshalb das ein Zeichen von Mobbing empfinden und was die folgen sind). Gehen sie noch nicht auf einzelne Bespiele ein.

„Mein Vorgesetzter Herr Mustermobber mobbt mich bereits seit mehreren Monaten. Ich werde bei wichtigen Meetings nicht eingeladen, mir werden nur langweilige Abreiten übergeben und vor den anderen Kollegen bzw. in einzelnen Gesprächen wird abschätzig über meine Person als auch über meine Arbeit gesprochen.“

Wichtiger Hinweis: Rechtfertigen sie sich nicht bzw. suchen Sie keine Gründe für das Mobbing.

Das sollte nie Thema der Beschwerde oder späterer Diskussionen sein. Denn es gibt keinen Grund der Mobbing in irgendeiner Weise rechtfertigt. Die einzig für Sie relevante Frage ist, ob das Verhalten des Gegenüber tatsächlich Mobbing ist und als solches auch bewiesen werden kann.

2. Beispiel für das Mobbing

Führen Sie dann ein Beispiel ein, damit Sie Ihre Aussagen untermauern. Nehmen Sie am besten einen Vorfall, für das Sie beweise haben oder der besonders drastisch war. Auch hier geben sie das Datum, die Empfundene Geringschätzung Zeugen, etc. an und verweisen sie auf ein Extrablatt auf dem alle anderen Vorfälle zusammengefasst sind.

„Am 17.03 in dem wöchentlichen Abteilungsmeeting machte sich der Vorgesetzte Herr Mustermobber über meine Intelligenz lustig: seine Worte waren: „Herr Müller das werden ich Ihnen später noch einmal erklären, sie sind da ja nicht so schnell. Damit hat er mich vor allen Kollegen bloßgestellt und nicht nur mich persönlich beleidigt, sondern auch versucht mich unter den Kollegen schlecht zu stellen.

Dies ist nur eins von vielen Beispielen. Weitere können Sie auf der angehängten Seite nachlesen.

Falls es sich um einen ersten Vorfall handelt, ist es noch kein Mobbing. Mobbing zeichnet sich durch die Systematik aus, dass man immer wieder gezielt über Monate gemobbt wird.

Trotzdem sollten sie auch zu diesem Zeitpunkt sofort einschreiten und gleich beim ersten Vorfall in denen Sie beleidigt oder herunter gemacht werden ein klares Signal mit der Botschaft „Stopp“ mitteilen. Ein erstes Vieraugen-Gespräch ist am hilfreichsten, um Ihren Standpunkt klar zu machen und dem anderen die Möglichkeit geben, das Gesicht zu wahren.

Nutzen Sie dies als Vorlage und passen sie es so an, dass sie im Gespräch mit dem, der Sie herunter gemacht hat nutzen zu können.

3. Gab es bereits Gespräche damit

Beschreiben, sie kurz ob es bereits ein Gespräch mit dem Mobber gab und was die Reaktion war. Falls es noch kein Gespräch gab, beschreiben sie Weshalb nicht. Zeigen Sie auf, weshalb es ihnen unmöglich war die Probleme konstruktiv aus der Welt zu schaffen. Damit haben sie gleich Argumente gegen einen möglichen Einwand, dass man das Problem doch erst einmal in einem Vieraugengespräch aus der Welt hätte schaffen könnte.

„Ich habe Herrn Mustermobber nach dem dritten Vorfall direkt angesprochen und mitgeteilt, dass ich ein solches Verhalten nicht akzeptieren werde und dass ich eine Änderung von ihm erwarte. Ansonsten werde ich weitere Schritte einleiten.

Herr Mustermobber zeigte wenig Verständnis dafür und sagte mir, dass ich mich eh nicht trauen werde etwas zu sagen. Er wisse schon, wie man mit Untergebenen umgehe, vor allem mit faulen und langsamen. Eine direkte Lösung ist damit nicht möglich. Damit wende ich mich direkt an sie.“

4. Beschreiben Sie die Folgen des Mobbings

Mobbing führt zu den unterschiedlichsten Reaktionen, die sich psychisch und physisch Äußern können. Falls möglich lassen Sie sich die Auswirkungen von einem Arzt oder Psychologen attestieren. Besonders in den Beschreibungen oder im Mobbingtagebuch sollten die Beschwerden zu den Auswirkungen bzw. zu den Attesten in Bezug gesetzt werden.

„Durch das häufige Mobbing leide ich seit 4 Monaten an ständigem Unwohlsein in der Arbeit, ich schlafe schlecht und habe ständige Migräne. Der Zustand wird von Woche zu Woche schlechter.“ 

5. Nennen Sie direkt, was sie erwarten

Beschreiben Sie den Zustand, der es Ihnen ermöglicht sich wieder voll zu erholen und geregelt bzw. normal zu  arbeiten.

„Ich wünsche mir schnellstmöglich eine  Lösung für dieses Problem. Das Verhalten des Herrn Mustermobber sollte sich sofort ändern. Damit ich mich an meinem Arbeitsplatz wieder vollständig wohlfühle, wieder gesund werde und voll Leistungsfähig bin. Zudem erwarte eine persönliche Entschuldigung als auch eine Entschuldigung vor den anderen Kollegen, damit mein Ruf gegenüber meinen Kollegen wieder wiederhergestellt wird.“   

6. An wen adressiere ich meine Beschwerde

An wen sie sich für die Beschwerde wänden, hängt davon ab, in wie lange das Mobbing geht und wer Sie mobbt.

Handelt es sich um die ersten Mobbingvorfälle bzw. gab es bisher noch kein direktes Gespräch, sollte sie als erstes das Gespräch mit dem Mobber direkt suchen und sich bei Ihm beschweren. Wichtig ist natürlich, dass sie sich hierfür psychisch in der Lage befinden und es sich zutrauen.

Stellen Sie einen Termin für sie beide ein oder gehen sie in einen Raum, in dem sie alleine sind und gehen Sie die oben erarbeiteten Punkte mündlich mit Ihm durch. Mit dem klaren Signal, dass sein Verhalten sofort enden soll. Verfassen Sie die Beschwerde vorher ruhig als Brief oder E-Mail, damit Sie einen Leitfaden haben.

Nach dem Gespräch sollten sie die Ergebnisse, egal ob positiv oder negativ zusammenfassen und per Mail an den Mobber schicken.

Am ende des Gesprächs fassen sie alles zusammen und schicken es als Mail an den Mobber. Damit stellen sie sicher, dass sie immer einen Beweis für das Gespräch haben. Falls sie es absolut formal machen möchten, drucken sie die Beschwerde aus und lassen sie sich die Übergabe per Unterschrift bestätigen bzw. suchen sie sich einen Zeugen, der das bezeugen kann.

Geht das Mobbing bereits länger, haben sie dem Mobber bereits angesprochen oder sie können und möchten das nicht mehr machen, dann können Sie die Beschwerde an den Vorgesetzten des Mobbers schicken, an den Betriebsrat oder an die Personalabteilung Ihres Unternehmens. Danach Informieren sie den Mobber per mail oder persönlich darüber.

Wichtig ist, dass sie sich über die Prozesse und Möglichkeiten in Ihrem Unternehmen informieren. In Großen unternehmen bestehen Zahlreiche Institutionen wie die Personalabteilung, Betriebsräte, Frauenbeauftragte oder anderen Stellen, die bei solchen Konflikten helfen können. Suchen sie vor der formalen Beschwerde den persönlichen Kontakt zu den Stellen und tragen Sie Ihr anliegen vor. Den Beschwerdebrief können Sie wieder als Leitfaden bereits dabei haben.

Auch außerhalb Ihres Unternehmens gibt es mittlerweile ein großes Angebot an Stellen, die Sie bei diesem Thema kompetent beraten können.

Wichtig ist, dass Sie nicht sofort aufgeben und Kündigen, bevor Sich über alle Möglichkeiten schlau gemacht haben.

C) Vorgehensweise beim Mobbing

  1. Sie sollten schon beim ersten Anzeichen des Mobbings das Gespräch mit der Personen suchen und in einem Vieraugengespräch klar machen, dass sie das Verhalten nicht dulden werden. Das kann den Mobber bereits einschüchtern und bietet Ihm die Möglichkeit ohne Schaden aus der Situation zu kommen.
  2. Tun sie solche Vorfälle auf keinen Fall ab und nehmen es zu schnell auf die leichte Schulter, auch wenn es zu Eskalationen mit Ihrem Chef oder den höheren Stellen kommt.
  3. Beobachten Sie die Situation und sollte es sich wiederholen, notieren sie sich die Vorfälle genau. Zeitpunkt, Situation, was ist passiert, gab es Zeugen, gab es Auswirkungen auf Ihre Verfassung oder Gesundheit. Ein Tagebuch hilft.
  4. Suchen Sie sich verbündete Kollegen und besprechen sie es mit Ihnen. Sollte es andere Betroffene geben, schließen Sie sich zusammen.
  5. Versuchen sie Vorfälle mit dem Handy aufzunehmen bzw. zu dokumentieren.
  6. Haben Sie genügend Beweise wenden Sie sich an die richtigen Stellen.

D) Weitere Informationen

1. Bedeutung

Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen (Wiki). Hierbei ist das Wort „regelmäßig“ wichtig. Ist es ein Einzelfall und kam es nur einmal zu einer Schikane, sollte dies natürlich ebenfalls aufgearbeitet werden, aber mit einer anderen Beschwerde.

2. Begriffe

  • Verhaltensmuster: Mobbing bezieht sich auf ein Verhaltensmuster und nicht auf eine einzelne Handlung. Die Handlungsweisen sind systematisch, das heißt sie wiederholen sich ständig.
  • Negative Handlungen: Mobbingverhalten kann verbal (zum Beispiel Beschimpfung),nonverbal (zum Beispiel Vorenthalten von Informationen) oder physisch (zum Beispiel Verprügeln) sein. Solche Handlungen gelten üblicherweise als feindselig, aggressiv,destruktiv und unethisch.
  • Ungleiche Machtverhältnisse: Die Beteiligten haben unterschiedliche Einflussmöglichkeiten auf die jeweilige Situation. Eine Person ist einer anderen Person unter- beziehungsweise überlegen. Dazu ist kein Rangunterschied nötig. Eine Ungleichheit kann durch die bloße Anzahl bedingt sein: Viele Personen gegen eine Person.
  • Opfer: Im Handlungsverlauf bildet sich ein Opfer heraus, das infolge ungleicher Machtverhältnisse Schwierigkeiten hat, sich zu verteidigen.

(1) HINWEIS: Bitte beachten Sie, dass wir keine Mobbing-Experten sind. Die hier beschriebenen Inhalte sind auf Basis einer WEB Recherche entstanden. Sie können von Ihrem Fall abweichen. Konsultieren Sie daher bitte bei wichtigen Entscheidungen wie Klagen, Kündigungen, Eskalationen mit dem Betriebsrat bzw. der Personalabteilung einen Mobbing-Berater oder recherchieren Sie auch selber wichtige Informationen. Sie sollten sich bei allem was sie tun sicher sein und Ihre Entscheidung über mehrere Quellen sichern. Wir hoffen wir konnten Ihnen Denkanstöße und einen Überblick über das Thema geben.

Viele Grüße,
Ihr FAPPiT Team