Probleme mit den Kfz-Werkstätten und der Autoreparatur

Ärger mit der Werkstatt, Rechnung gesalzen, Reparatur verpfuscht? Was tun, wenn das Auto nach der Reparatur immer noch nicht funktioniert? Wie prüft man eine Werkstatt-Rechnung? Was tun, wenn es Ärger gibt? Wie reklamiere ich dann richtig? Das kann jeden Autofahrer treffen. In diesem Artikel antworten wir auf diese und andere Fragen rund um das Thema Autoreparatur. Außerdem finden Sie am Ende des Artikels unsere Beschwerdevorlage an eine Kfz-Werkstatt.

Die Leistung deutscher Werkstätten wird bei steigenden Stundensätzen immer schlechter, der Kunde immer öfter über den Tisch gezogen. Das ist das Ergebnis der Tests von Autoclubs und Fachzeitschriften. Bei Inspektionen werden lediglich 56 Prozent der gezielt vorbereiteten Mängel entdeckt, fand die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ in einer Untersuchung heraus. Dabei macht es nach Berichten der Stiftung Warentest offenbar keinen Unterschied, ob es sich um eine große Vertragswerkstatt oder eine freie Werkstatt handelt. In allen Klassen und bei allen Marken gibt es schwarze Schafe.

Zwar gibt es bei der Arbeit der Autowerkstatt meist nichts zu beanstanden. Doch oft genug gibt es Streit über Arbeitsqualität und Kosten.

Wahl der Autowerkstatt

Jeder Autobesitzer muss sich irgendwann fragen: „Welche Werkstatt ist die beste für mich und mein Auto? Welche sind die Vor- und Nachteile von verschiedenen Werkstätten?“ Eine passende Werkstatt zu finden, die genau nach Ihren Wünschen arbeitet, ist nicht immer leicht. Hier sind Tipps, wie man die passende Reparaturstätte findet.

Die Vertragswerkstatt

Die markengebundene Werkstatt gehört meist zu einem Autohaus. Die Mechaniker sind auf die jeweiligen Modelle geschult und die Werkzeuge auf dem aktuellen Stand. Die Software der Diagnose-Computer ist in der Regel die neueste Version. Durch den direkten Draht zum Autohersteller kann die Werkstatt meist auch ungewöhnliche Probleme schnell lösen. Das hat seinen Preis. Im Vergleich sind gebundene Kfz-Werkstätten oft teurer als die freie Konkurrenz. Allerdings stehen sie für Qualität.

Die freie Werkstatt

Kostenbewusste Autofahrer wählen gerne freie Werkstätten. Hier arbeiten meist wenige gewiefte Mechaniker, die sich um Modelle aller Hersteller kümmern. Sie nutzen auch mal günstigere oder gebrauchte Alternativen statt der teuren Originalteile. Die Anschaffung von Spezialgeräten einzelner Autohersteller ist für diese Werkstätten meist zu teuer. Bei außergewöhnlichen Problemen verweisen sie darum auch mal auf die Vertragswerkstatt. Sie setzen auf Mundpropaganda und sind darum meist nur auf Empfehlung zu finden. Die Herstellergarantie bleibt übrigens auch bei der Wartung durch eine freie Werkstatt erhalten.

Die Werkstattkette

In Industriegebieten schießen Kfz-Werkstätten der großen Filialketten wie Pilze aus dem Boden. Sie sind praktisch für jedermann schnell erreichbar und reparieren Autos aller Marken. Durch Festpreisangebote für bestimmte Arbeiten bieten sie Sparpotential. Auch der Einbau von günstigen Ersatzteilen schont den Geldbeutel des Kunden. Doch im aktuellen Test des ADAC zeigt sich, dass die Mechaniker der Ketten nicht immer alle Fehler finden. Das ist ärgerlich und manchmal sogar gefährlich. Werkstattketten haben wie freie Werkstätten das Problem, für ungewöhnliche Probleme nicht immer ausreichend ausgerüstet zu sein. Dazu ist die Vielfalt und Komplexität der Autos zu groß.

Tipps zur Auswahl einer guten Werkstatt

Hier sind einige Tipps zur Werkstattwahl:

  • Die Werkstatt ist sauber und aufgeräumt. Es liegen keine ausgedienten Ersatzteile herum. Wenn Sie nicht in die Werkstatt gelassen werden, ist das ein schlechtes Zeichen.
  • Sie erhalten eine Kopie des Reparaturauftrages. Ein Mitarbeiter bespricht mit Ihnen die einzelnen Punkte und notiert Ihre Wünsche.
  • Nach der Reparatur bespricht ein Mitarbeiter mit Ihnen alle auf der Rechnung aufgeführten Posten. Eventuell zeigt er Ihnen sogar die ausgebauten Teile und erklärt, warum sie ausgetauscht werden mussten.
  • Werden unvorhergesehene Arbeiten nötig, fragt die Werkstatt erst um Ihre Erlaubnis. So wird die Rechnung nicht unerwartet teurer.
  • Gute Werkstätten zeichnen sich dadurch aus, dass die Mechaniker das Auto gemeinsam mit dem Kunden begutachten und die anstehenden Arbeiten erklären. Das vermeidet spätere Auseinandersetzungen über Art und Umfang der Reparatur.
  • Eine Werkstatt muss zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung („Sachmängelhaftung”) auf ihre Arbeit geben, kann die Frist aber vertraglich auf ein Jahr verkürzen. Eine Werkstatt muss wenigstens zwölf Monate für Mängel einstehen, die sie verursacht hat.

Der ADAC hat eine Liste mit Werkstätten erstellt. Hier finden Sie gute und schlechte Werkstätten aufgelistet: ADAC Auto-Werkstatttest 2010

Werkstattpfusch

Für alle Autobesitzer ist es ein Albtraum, dass bei einer Routinereparatur in der Werkstatt ein noch größerer Schaden entsteht.  Was tun, wenn Sie Ihr Auto zur Reparatur bringen und es kaputt zurückbekommen? Muss der Kunde oder die Werkstatt zahlen?

Wer kommt für die Kosten auf, wenn die Werkstatt bei einer Reparatur das Auto beschädigt?

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn Ihr Auto in der Werkstatt beschädigt wurde, muss die Werkstatt den Schaden beheben oder bezahlen.Dafür tritt ihre Haftpflichtversicherung ein. Kompliziert wird es, wenn die Werkstatt behauptet, der Schaden sei nicht absehbar gewesen oder etwa eine Folge des schlechten Zustandes des Autos. Dann muss ein Gutachter klären, ob das stimmt.

Wer darf so ein Gutachten erstellen und wer bezahlt es?

Soll eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernehmen, muss das Gutachten von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einer rechtsfähigen Sachverständigen-Organisation erstellt werden. Vorher sollte die entsprechende Deckungszusage der Rechtsschutzversicherung eingeholt werden.

Was tun, wenn Reparaturarbeiten mangelhaft ausgeführt wurden?

Wenn z.B. eine Blecharbeit oder Lackierung misslingt, hat der Kunde Anspruch auf Behebung der Mängel oder auf eine Preisminderung. Voraussetzung ist, dass die Arbeit deutlich schlechter ausgefallen ist, als sie unter Beachtung der Regeln der Handwerkskunst und nach dem Stand der Technik möglich wäre.

Melden Sie Mängel sofort bei Ihrer Werkstatt und lassen Sie sich diese Mängelanzeige schriftlich bestätigen (wichtig wegen der zwölfmonatigen Frist). Die Werkstatt hat Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten zu übernehmen.

Muss man zahlen, wenn die Werkstatt etwas repariert, ohne zu fragen?

Nein. Die Werkstatt darf nur das reparieren, was der Kunde in Auftrag gegeben hat. Legen Sie also vor der Reparatur eine obere Preisgrenze fest, die nur mit Ihrer Zustimmung überschritten werden darf.

Was tun, wenn nicht ausgeführte Arbeiten berechnet wurden?

Sollten Sie mit der Rechnung nicht einverstanden sein, unterschreiben Sie diese mit dem Vermerk „unter Vorbehalt“. Das verdeutlicht den Streitfall zum Abnahmezeitpunkt und hält Ihnen eine Rückforderung offen. Sie dürfen die Zahlung aber nicht komplett verweigern.

Was tun, wenn die Werkstatt den Mangel nicht behoben hat?

Sollten Sie mit der eigentlich erbrachten Arbeit nicht zufrieden sein, haben Sie Rechte, die Sie auch in Anspruch nehmen sollten. Lassen Sie sich nicht von der Werkstatt einreden, dass es nicht besser zu reparieren ging.

Folgende Fälle sind möglich:

  1. Entdecken Sie einen Mangel direkt bei der Abholung des Fahrzeugs aus der Werkstatt, dann reklamieren Sie sofort und nehmen Sie die Arbeit nicht ab:Die Werkstatt muss in diesem Fall nachbessern. Erst nach erfolgter Nachbesserung sollten Sie die Arbeit bezahlen. Wird der Mangel korrekt behoben, dürfen Sie den Betrag nicht kürzen, wird er jedoch nicht behoben, dann zahlen Sie nicht den vollen Betrag an die Werkstatt.
  2. Ein Mangel an der reparierten Stelle tritt innerhalb von zwölf Monaten nach der Kfz-Reparatur auf. Nach den üblicherweise geltenden Reparaturbedingungen muss innerhalb dieser Zeit (Gewährleistungsfrist) die Werkstatt den Mangel kostenfrei nachbessern. Dabei ist natürlich Voraussetzung, dass die Werkstatt durch ihre Leistung den Mangel verursacht hat und nicht der Kunde. Wird der festgestellte Mangel innerhalb von zwölf Monaten gemeldet, so wahrt der Kunde den Anspruch auf Nachbesserung. Die Nachbesserung kann dann auch nach Ablauf der zwölf Monate erfolgen.

Der Kunde muss den Mangel in der gleichen Werkstatt beheben lassen, die den Mangel auch verursacht hat. Werkstattketten sind da kulant und lassen in der nächstgelegenen Filiale nachbessern (vorherige Rücksprache vorausgesetzt).

Wenn ein Mangel trotz mehrfacher Nachbesserungsversuche nicht beseitigt worden ist, braucht sich der Kunde auf weitere Versuche nicht mehr einzulassen. Normalerweise werden für den Kunden allenfalls zwei bis drei Nachbesserungsversuche zumutbar sein.

Spätestens dann kann er den Rücktritt vom Vertrag oder eine Minderung des Rechnungsbetrages verlangen. Beim Rücktritt ist der vom Kunden gezahlte Werklohn zurückzuerstatten.

Im Streitfall

Im Streitfall können sich Autofahrer an die Schiedsstellen des Kfz-Handwerks als Schlichter wenden. Zu den Schiedsstellen gibt es auch beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe weitere Informationen:

Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
Franz-Lohe-Straße 21
53129 Bonn
Telefon: 0228 91270
Web: www.kfzgewerbe.de

Voraussetzung für die Hilfe durch die Schiedsstellen

Die Beschwerde muss unverzüglich nach Bekanntwerden des Streitpunktes eingereicht werden und die Werkstatt muss der Kfz-Innung angehören. Betriebe, die der Kfz-Innung angehören, erkennt man an einem weißblauen Meisterschild.

Bundesweit gibt es etwa 150 Schiedsstellen. Ist man mit der Entscheidung der Schiedsstelle nicht einverstanden, kann man immer noch vor Gericht ziehen und klagen. Die Werkstatt muss sich aber an den Schiedsspruch halten.

Verärgerte Kunden, die sich an eine Schiedsstelle wenden wollen, finden alle nötigen Informationen auf der Website www.kfzgewerbe.de. Dort lassen sich Schiedsanträge als PDF-Dokument herunterladen oder ausdrucken.

Unsere Beschwerdevorlage an eine Kfz-Werkstatt können Sie hier downloaden:

Beschwerdevorlage Werkstatt

Beschwerdevorlage Werkstatt

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